Key-Visual Ward-Zentrum/Ward-Methode

Herzlich willkommen im Ward-Zentrum Köln e.V.

Endlich ist es geschafft! Nach mehr als zwanzigjähriger Arbeit im Bereich Musikpädagogik ist das Ward-Zentrum online. Die steigende Nachfrage ließ uns keine andere Wahl. Wir haben versucht eine möglichst klar strukturierte, informative Seite zu gestalten. Ich hoffe sie erfüllt ihren Zweck.

Unter Kurse erfahren sie alles über die verschiedenen Möglichkeiten, die Ward-Methode zu erlernen.
Unter Termine finden sie die geplanten Kurse mit den dazu gehörenden Informationen wie Veranstalter, Kosten usw.
Unter Referenzen sind die uns bekannten Schulen, Chöre, Institutionen aufgeführt, in deren Arbeit die Ward-Methode eine Rolle spielt. Hier finden sie kurze Beschreibungen der jeweiligen Projekte und, wenn vorhanden, weiterführende Links zu deren Seiten.
Unter Dozenten finden sie Angaben zu unseren Kursleitern.
Im Downloadbereich finden sie längere Texte zur Ward-Methode.
Wir hoffen ihr Interesse nicht zu enttäuschen und freuen uns über ihr Feedback.

Herzliche Grüße
Gisbert Brandt

 

Die Ward-Methode

Ein systematischer und lebendiger Weg zur Musik

Die Ward-Methode wurde von der amerikanischen Musikpädagogin Justine Bayard Ward (1879-1975) in Zusammenarbeit mit der CATHOLIC UNIVERSITY OF AMERICA in Washington, D.C. seit den 20er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als eine Art Curriculum für den Musikunterricht an den katholischen Grundschulen in Amerika entwickelt. Frau Ward hatte dabei das Ziel vor Augen, allen Kindern eine solide musikalische Bildung zu vermitteln und nicht nur eine kleine Gruppe von begabten Kindern zu fördern. Seither ist die Methode immer wieder an der Praxis überprüft und verbessert worden, so dass die Ward-Methode heute einen durch jahrzehntelange praktische Erfahrung gesicherten Weg bietet, um Kindern eine solide, ausbaufähige musikalische Bildung zu vermitteln. Sie hat sich dabei nicht nur im Grundschulunterricht, sondern auch bei der systematischen musikalischen Arbeit mit Kinderchören bewährt.

Grundlage des „Musik Lernens“ nach der Ward Methode ist das Singen. Die Kinder lernen sich musikalisch mit der gleichen Selbstverständlichkeit auszudrücken wie in ihrer Muttersprache. Dazu bedarf es keines aufwendigen Instrumentalapparates, sondern musikalische Erfahrungen werden den Kindern in erster Linie durch das Singen und durch Bewegungen vermittelt, also durch den Einsatz des eigenen Körpers.

Die Ward-Methode geht von der Erkenntnis aus, dass Kinder im Grundschulalter (vor allem im ersten und zweiten Schuljahr) noch nicht generalisierend lernen, sondern sich gerne auf einzelne Aspekte einer Sache konzentrieren, diese dann fokussieren und andere Aspekte ausblenden. Diese Tatsache macht sich die Ward-Methode zunutze indem sie das Gesamtfeld Musik in einzelne Elemente unterteilt. Diese werden zunächst gesondert behandelt und später dann miteinander kombiniert.

Die wichtigsten Elemente seien hier kurz skizziert:

1. Stimmbildung:

Ziel der Stimmbildung ist es, den Kindern zu einem wohlklingenden, genau intonierenden Instrument zu verhelfen. Mit Hilfe von einfachen Übungen wird bei den Kindern ein Gefühl für die eigene Stimme entwickelt. Der Stimmumfang wird Schritt für Schritt erweitert, wobei die besondere Aufmerksamkeit dem Stimmsitz und der Klangschönheit gilt.

2. Gehörbildung:

Dieses Element dient einerseits der Erarbeitung des Tonmaterials, andererseits der Bildung des tonalen Vorstellungsvermögens. Die Ward-Methode bedient sich dabei der relativen Solmisation, die – unabhängig von der absoluten Tonhöhe – jedem Ton einer Tonleiter eine, seiner Funktion innerhalb der Tonleiter entsprechende, eindeutige Tonsilbe zuweist. Die Aufmerksamkeit der Kinder wird auf eine saubere Intonation gelenkt. Zusätzlich wird das musikalische Gedächtnis geschult und die Fähigkeit entwickelt, gehörte Melodien aus dem Gedächtnis zu notieren.

Die Ward-Methode baut die Durtonleiter zunächst vom Grundton bis zur Dominante auf (do re mi fa sol). Anschließend beginnt man beim hohen do und bewegt sich wieder bis zur Dominante (do’ ti la sol), bevor im dritten Schritt die Tonleiter als Ganzes zusammengesetzt wird. Durch diese Unterteilung der Tonleiter in Pentachord und Tetrachord wird bei den Kindern schon früh ein Gefühl für die Spannung zwischen Tonika und Dominante angelegt. Weiterhin lässt sich dadurch später sehr schön der Zusammen hang zwischen plagaler und autentischer Erscheinungsform einer Tonleiter erfahrbar machen.

Ward-Methode: Diagramme
Beispiel 1: Diagramme

Als zusätzliche Hilfe bei der Entwicklung des tonalen Vorstellungsvermögens verwendet die Ward-Methode Handzeichen. Jeder Ton wird dabei an einer bestimmten Körperstelle „festgemacht“.

Ward-Methode: Melodische Gesten

Beispiel 2: Melodische Gesten

3. Rhythmus:

Mit Hilfe von rhythmisch-tänzerischen Bewegungen wird bei den Kindern ein natürliches Rhythmusgefühl entwickelt und gefestigt. Es wird dabei sowohl auf das Erfassen und Verstehen von rhythmischen Spannungsverläufen, wie auf die exakte Ausführung der verschiedenen Notenwerte geachtet.

 

4. Notation:

Die Kinder erlernen verbale und schriftliche Möglichkeiten gehörte und gesungene Melodien und Rhythmen festzuhalten. Über kindgemäße, einfache Notationsformen werden die Kinder langsam an unsere komplexe Notenschrift herangeführt und lernen sie mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu handhaben wie die Zeichen der Schriftsprache. Mit anderen Worten: Sie lernen „Noten lesen“ mit der gleichen Konsequenz wie das Lesen von Buchstaben. Für die Darstellung der Solmisationssilben verwendet die Ward-Methode eine Ziffernnotation. Das hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, da die meisten Kinder im Alter von 6 Jahren schon die Ziffern von 1 bis 7 lesen können. Man kann mit Hilfe von Punkten unter bzw. über den Ziffern leicht einen Tonumfang von 3 Oktaven notieren.

 

Ward-Methode: Rhythmische Notation

 

 

Beispiel 3: Ziffernnotation

Die Ward-Methode arbeitet mit Rhythmischen Pattern. Für ihre Notierung verwendet sie eine sehr einfache „Strich-Punkt-Notation“ Einige einfache Beispiele im 2/4 Takt:

Ward-Methode: Rhythmische Patterns

 

 

 

 

 

Beispiel 4: Rhythmische Pattern

Diese Pattern können die Kinder beliebig miteinander kombinieren. Auf diese Weise entstehen längere rhythmische Abläufe, die z.B. als Grundlage für eine Melodie dienen können. Ach die Rhythmischen Pattern werden in der Ward-Methode gesungen. Es gibt für jeden rhythmischen Wert eine Klangsilbe. Zum Beispiel:

Halbe Note:    „lang“

Viertelnote:     „la“

Achtelnoten:   „li-ra“

Sowohl die melodische als auch die rhythmische Notation der Ward-Methode haben für den Anfangsunterricht den großen Vorteil das sie „eindimensional“ sind. Die Ziffernotation erfasst nur das Element Tonhöhe, die rhythmische Notation behandelt nur den Aspekt Tondauer. So fällt es den Kindern leicht sich auf den jeweiligen Aspekt zu konzentrieren. Leicht lässt sich die Ziffernotation mit dem rhythmischen Element der „Strich-Punkt-Notation“ kombinieren, wodurch dann die Ziffern ihre zweite Dimension erhalten und zur vollwertigen Notation werden.

Ward-Methode: 4-zeilige Melodie

 

 

 

 

Beispiel 5: 4-zeilige Melodie

5. Improvisation:

Ein wichtiges Ziel der Ward-Methode ist die Erziehung zur musikalischen Selbständigkeit. Die Schüler sollen nicht nur Musik reproduzieren können, sondern auch in der Lage sein, sich bewusst selbständig musikalisch zu artikulieren. Die Ward-Methode versteht darunter die Fähigkeit mit dem bekannten tonalen und rhythmischen Material zu improvisieren und kleine Kompositionen zu erstellen.

 

6. Melodien und Lieder:

Die Lieder und Melodien die in der Ward-Methode enthalten sind, sind so ausgewählt, dass sie dem jeweiligen Leistungsstand der Kinder entsprechen. Hier werden die vorher gesondert behandelten Elemente des Musizierens kombiniert und in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht. Ein Ziel ist es, dass sich die Kinder die Melodien und Lieder unter Führung des Lehrers selbst aneignen, ohne dass der Lehrer irgendetwas vorsingt.

Die oben beschriebenen Elemente wechseln innerhalb des Unterrichts in schneller Folge miteinander ab; einmal, um keine Ermüdungserscheinungen durch zu langes „Üben“ an einer Sache entstehen zu lassen, zum anderen, um alle musikalischen Teilgebiete gleichzeitig und gleichberechtigt zu entwickeln. Die Schwierigkeit des Stoffes, d.h. der Umfang des den Kindern zur Verfügung stehenden melodischen und rhythmischen Materials wird schrittweise erweitert. Konkret bedeutet das, dass man bei einer ca. 20 minütigen Ward Lektion mit sechs bis siebenjährigen Kindern alle zwei bis drei Minuten zu einem anderen Element übergeht. Das Ganze wirkt dabei sehr leicht und spielerisch, was sich sehr positiv auf die Motivation der Kinder auswirkt.

Ein grundlegendes Ziel der Ward-Methode ist es, Kinder zur musikalischen Selbständigkeit zu führen. Das hat methodische Konsequenzen. Der Lehre ist nur ein Begleiter, eine Art Katalysator, der den Kindern die Lernprozesse ermöglicht. Er darf zum Beispiel, bis auf die ersten Stunden, nie etwas vorsingen. Die Kinder sollen sich von Anfang an daran gewöhnen, dass sie alle Probleme und Aufgabenstellungen selber bewältigen können. Das bedeutet, dass der Unterrichtsstoff sehr kleinschrittig gegliedert sein muss, damit die Kinder nicht überfordert werden. Bei einer solchen Arbeitsweise gewöhnen sich die Kinder sehr schnell daran, auch ohne die Hilfe des Lehrers oder Chorleiters selbstbewusst zu musizieren. Sie erwarten zum Beispiel bei Aufführungen nicht die so oft zu erlebende Unterstützung des mitsingenden Lehrers, und sind schnell in der Lage beim Kanon auch ohne einen Dirigenten richtig einzusetzen.

Die Intention der Begründerin der Ward-Methode war es von Anfang an, dass der Ward Unterricht nicht von Fachlehrern, sondern – vor allem in den ersten beiden Schuljahren – von den Klassenlehrern unterrichtet werden soll. Dementsprechend ging die Verbreitung der Ward-Methode vonstatten. Die CATHOLIC UNIVERSITY OF AMERICA veranstaltet bis heute

Ferienkurse die so gestaltet sind, das man auch ohne die Voraussetzung eines Musikstudiums in der Lage ist, die Methode zu erlernen und anzuwenden. Voraussetzung war und ist Freude an der Musik und vor allem am Singen.

Im deutschsprachigen Raum bietet das Ward-Zentrum Köln e.V. solche Fortbildungskurse in der Ward-Methode an. Sie richten sich in erster Linie an Lehrer und Kirchenmusiker sowie an alle interessierten Personen, die einen Kinderchor leiten, oder sonst mit Kindern regelmäßig musikalisch arbeiten. Im Verlauf der Kurse wird der Lehrstoff erarbeitet und die besondere Unterrichtsgestaltung der Ward-Methode mit den Kursteilnehmern praktisch eingeübt. Freude am Singen und an der Arbeit mit Kindern sind die einzigen Voraussetzungen für die Teilnahme an einem Ward Kurs. Ein Musikstudium ist nicht erforderlich. Nähere Informationen erhalten sie beim :

Ward-Zentrum Köln e.V.

c/o Gisbert Brandt
Longericher Straße 370
50739 Köln
Tel.: 0221-599 59 08
Fax: 0221-957 30 71
E-Mail: Gisbert.Brandt@t-online.de
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